Nun sind schon wieder mehr als 2 Monate des Jahres vergangen, man hat das Gefühl, als würde das Leben verfliegen. Wochen ziehen dahin, Monate eilen davon. Hängt es damit zusammen, dass wir uns nicht mehr „verweilen“? Für das einzelne Erlebnis nicht mehr genug Zeit nehmen, um es intensiv in uns aufzusaugen? Es gäbe vieles zu bedenken, denn wir erleben viel. Wir sind vielbeschäftigt. Wir sind ausgebucht. Eine Sache jagt sogar die andere und unsere Terminkalender sind gefüllt. Tatsächlich schaffen wir viel und leisten viel. „Eigentlich“ könnten wir vollauf zufrieden sein. Wir könnten glücklich sein! Und trotzdem haben wir immer wieder das Gefühl, nicht wirklich gelebt zu haben.

Bei älteren Menschen erlebe ich manchmal, wie sie tagelang über ein für sie wichtiges und schönes Erlebnis nachdenken. Das hinterlässt dann Spuren und macht reich. Es sind ihre „Meilensteine“, die sie bewusst wahrnehmen. Das ist schön! Damit uns das Leben also nicht „verfliegt“, sondern wir innerlich reich werden durch das, was wir erleben, gibt Gott, der Schöpfer uns besondere Zeiten, an denen das Räderwerk des Alltags zur Ruhe kommen soll. Es sind markante Zeiten des Innehaltens, des Verweilens, des Nachdenkens. Zeiten, die Gott bei uns für sich reserviert.

Nun entsteht eigenartigerweise bei uns der Eindruck, wir würden wertvolle Zeit verlieren, wenn wir „innehalten“. Aber es ist nicht so: Ich komme in den Augenblicken ganz besonders zu mir, in denen ich mich bewusst Gott zuwende. Der Schöpfer weiß, wie wir ticken, dass wir das genau brauchen. Ich habe ganz im Gegenteil festgestellt, dass mir die Zeit des Innehaltens vor Gott nicht die Zeit nimmt, sondern mich justiert, mir klarer meine Aufträge definiert, Wert in mein Leben bringt. Was soll ich tun? Was soll ich lassen? Wo sind meine Grenzen? Was treibt mich an?

Diese Unterbrechungen lassen mich klarer denken, da fließt Lebenskraft. Neben dem „Sonntag“ sind ganz gewiss auch die großen Feste, die unseren Jahresrhythmus bestimmen solche wichtigen „Unterbrecher“. Das Osterfest zum Beispiel, das ja gerade vor der Tür steht. Gerade dieses höchste christliche Fest, Ostern, reißt mich aus Alltäglichkeit und Vergänglichkeit meines Lebens. Die Feste sind übrigens gut über das Jahr verteilt und sie geben mir Zeit für eine persönliche Begegnung mit Gott. Gott hat das alles so festgesetzt, für uns:

Im Zentrum steht der Sonntag als Ruhepol der Woche.

Liebe Leute, wir brauchen diesen gesunden Rhythmus, wir alle brauchen bestimmte Zeiten der Beziehungspflege und des „Zu-sich-Kommens“. Wir können das täglich, wöchentlich oder monatlich in unser Leben einbauen. Wir können es, wir sollen es sogar! Sie helfen uns, eine tiefere Beziehung zu Gott zu haben und innerlich gesund zu bleiben oder zu werden. Viele haben die Notwendigkeit erst eingesehen als es schon zu spät war und die Gesundheit Alarm schlug. Muss es denn sein, dass wir erst „aus dem Verkehr gezogen“ werden, bevor wir das einsehen?

Ich bin sehr traurig darüber, dass viele Menschen in unseren Gemeinden das leider nicht mehr als wichtig ansehen. Ich freue mich zwar über jeden, der den Sonntag so für sich nützt. Aber ich sehe auch die überwiegende Mehrheit, die das nicht tut. Und ich mache mir Sorgen. Woran liegt es? Ich frage mich, ob wir etwas verändern müssen? Passt das Angebot nicht? Was steht im Weg? Sagen Sie es uns, was hindert. Ist es wirklich zu viel, sich monatlich eine kleine Auszeit für sich und Gott zu nehmen? Sind viele unserer Leute wirklich so weit weg von Gott? Ich wünschte mir in dieser Passionszeit eine ehrliche Diskussion.

mit lieben Grüßen,
Ihr Pfarrer und Seelsorger Joachim Knab

Tageslosung vom 25.06.2017
2. Sonntag nach Trinitatis
Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apostelgeschichte 5,29

Die Johannesgemeinde kooperiert mit der Dietrich-Bonnhoeffer-Gemeinde Emmendingen.